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Nachtbuergermeister Robert Gaa

Quadratestadt

Robert Gaa – Nachtbürgermeister Mannheim

Mannheimer Nächte sind lang – aber Nachtbürgermeister Robert Gaa arbeitet meistens tagsüber

Dass es in Mannheim nicht nur einen „normalen“, sondern auch einen Nachtbürgermeister gibt, ist mittlerweile hinlänglich bekannt. Dass der aber nicht nur nachts durch die Straßen tingelt und das Nachtleben verbessert, sondern auch stinknormale Büroarbeitszeiten hat, ist vermutlich nicht jedem bewusst. Nach dem ersten Mannheimer Nachtbürgermeister Hendrik Meier ist Robert Gaa seit August 2020 in diesem Amt. Seine Arbeitstage gehen aber auch oft über die normalen acht Stunden hinaus. Viele Sitzungen und Versammlungen mit Beteiligten finden nämlich tatsächlich abends statt. Was er den ganzen Tag so macht?

Die Aufgaben eines Nachtbürgermeisters sind sehr vielfältig. Sie umfassen zum Beispiel die strukturelle und nachhaltige Stärkung der Nachkultur durch Netzwerktreffen. Außerdem geht es um die Schaffung neuer Impulse für das Nachtleben, beispielsweise durch die Organisation der „Nachtökonomie-Konferenz“. Das dritte Feld ist die Moderation und Mediation für ein besseres Verständnis der Anwohner und Betreiber der Nachtökonomie. Zum Beispiel durch runde Tische mit verschiedenen Interessengruppen, aber auch durch Einzelgespräche mit der Stadtverwaltung, Betreibern und Anwohnern.

Wie kommt man eigentlich auf die Idee, Nachtbürgermeister zu werden? Robert erklärt uns, dass er etwas aus seiner Sicht Sinnvolles machen wollte. Zuvor hatte er einen sicheren Job als Servicetechniker, den er 2019 aufgab, ohne eine neue Beschäftigung zu haben. Außerdem hatte er seine Wahlheimat Mannheim so liebgewonnen, dass er sich berufen fühlte, an deren Entwicklung mitzuwirken.

Als ich dann erfahren habe, dass Hendrik Meier sein Amt aufgibt war für mich direkt klar, dass ich mich darauf bewerben muss!

Was muss man eigentlich tun, um Nachtbürgermeister zu werden?

Ich hatte, nach dem Einsenden meiner Bewerbungsunterlagen, ein ganz normales Vorstellungsgespräch.

Dann gab es in der Auswahlphase noch die Aufgabenstellung für alle, ein „Post-Covid-Konzept“ zu schreiben. Am Ende konnte Robert die Jury von sich überzeugen. Sein Vorgänger, Hendrik Meier überbrachte ihm die freudige Nachricht sogar persönlich.

Das war natürlich eine sehr schöne Überraschung, da ich ehrlicherweise nicht damit gerechnet habe die Stelle zu bekommen. Ich dachte, dass mein beruflicher Background, staatlich geprüfter Maschinenbautechniker, eher ein Ausschlusskriterium ist.“

Wie reagieren eigentlich Familie und Freunde auf einen solchen Job? Bei Robert haben die sich sehr mit ihm gefreut, allen voran seine Eltern. Seine Amtszeit war bisher vor allem eine ungewöhnliche und turbulente Zeit, in der es wegen Corona ständig neue Entwicklungen im Nachtleben gab. Seine eigene Berühmtheit hat er dabei etwas unterschätzt.

Es war auf jeden Fall eine ziemliche Umstellung, so im Rampenlicht zu stehen. Ich habe total unterschätzt, wie groß der mediale Ansturm sein wird.

Zu Mannheim hat Robert, der ursprünglich aus Wiesbaden kommt, vor allem durch sein Engagement im peer23, einem Kunst- und Kulturverein, eine innige Verbindung aufgebaut.

Durch meine ehrenamtliche Arbeit dort kam auch mein innerer Drang, die Stadt aktiv mitzugestalten und nicht darauf zu warten, dass andere dies machen.

Als wir ihn fragen, was er für Mannheim erreichen will und welche Ziele er sich gesetzt hat, nennt Robert zum Beispiel den Erhalt und die Förderung der Clubkultur, gerade in der jetzigen Zeit. Aber auch das Thema Freiflächen, also Flächen, welche unter erleichterten Bedingungen für nicht-kommerzielle Veranstaltungen genutzt werden können. Diese Flächen könnten Menschen auf Open-Air-Parties durch Musik zusammenbringen. Sie bieten gerade jungen und unbekannteren Künstler*innen die Möglichkeit, sich erstmals vor einem Publikum zu präsentieren. Wir wollten wissen: Was sind die schwierigen Aufgaben des Nachtbürgermeisters?

Die größte Herausforderung ist die Ungewissheit, die immer noch herrscht. Aktuell haben wir gar kein Nachtleben, trotzdem müssen wir dafür sorgen, dass dieses nicht verschwindet und wir unsere kulturelle Vielfalt in der Stadt erhalten.

In der Corona-Pandemie war Robert vor allem eine wichtige Informationsquelle für die Beteiligten des Nachtlebens. Immer wieder wandten sich die Menschen an ihn, um zu erfahren, wann es für sie wieder weitergeht, und welche Konzepte zur Wiedereröffnung es gibt. Es wird überall an solchen Konzepten gearbeitet, und alle Beteiligten stehen im regen Austausch. Eine Vielzahl von Hilfs- und Förderprogrammen soll das Nachtleben retten und schützen.

Robert kann den Schließungsmaßnahmen aber durchaus auch etwas Gutes abgewinnen: Nie zuvor wurde so positiv über das Nachtleben berichtet. Endlich haben mehr Leute hingeschaut und die Kultur- und Veranstaltungsbranche auch als wichtigen Wirtschaftsteil wahrgenommen.

Es wurde klar:

Kneipen, Clubs und Musikspielstätten sind nämlich auch wichtige soziale Treffpunkte und Orte an denen sich Menschen ausprobieren können. Das wurde aber bisher oft in der Diskussion über das Nachtleben vergessen.

„Wie hart wird Corona das Mannheimer Nachtleben getroffen haben, wenn es wieder stattfinden kann?“ haben wir Robert nach seiner Einschätzung gefragt.

„Das ist sehr schwer zu beantworten. Aktuell habe ich noch nicht mitbekommen, dass jemand dauerhaft schließen musste. Jedoch ist es gerade sehr schwer den Kontakt zu allen zu halten, da man sich nicht mehr über den Weg läuft und sich das meiste auf den E-Mail-Verkehr begrenzt. Wir werden wohl erst nach der Pandemie wirklich sehen, wie schwer es die Nachtkultur getroffen hat.“

Auch als Privatperson könnt ihr die Betroffenen immer wieder auf verschiedenste Art unterstützen. Einige haben Crowdfunding-Programme in Leben gerufen, manche bieten Lieferungen oder einen Fensterverkauf an. Informationen dazu findet man meist auf den Social-Media-Kanälen der Läden.

Wo der Nachtbürgermeister selbst gern hin ausgeht? Da er selbst auflegt und gern Techno hört, trifft man ihn normalerweise im „Zimmer“ oder in der „Disco Zwei“, aber auch beim Feierabendbier am „Alter“ könnte man Robert durchaus begegnen. Was er an Mannheims Nachtkultur mag?

Es wurde zwar schon oft gesagt, aber die Diversität des Nachtlebens in Mannheim ist sehr groß. Gleichzeitig ist Mannheim noch klein genug, so dass einem ständig Menschen über den Weg laufen, die Mensch kennt.

Ja, genau dafür lieben wir Mannheim auch!


Autorin | Nina Badelt