Kultur | 27. Februar 2020 | Daniel Adler

Glücksministerin Gina Schöler

„Wer ständig glücklich sein möchte, muss sich oft ändern“

Was steckt hinter dieser Aussage und möchte man überhaupt ständig glücklich sein, oder geht es vielmehr darum, mit sich im Reinen zu sein und bewusst sich selbst und seine Mitmenschen wahrzunehmen? Im Gespräch mit Glücksministerin Gina Schöler durften wir der Frage nach dem Glück ein bisschen näherkommen.

Aus einer einfachen Fragestellung heraus, die sie sich zu Beginn ihres Masterstudiums stellte, entwickelte sich das Ministerium für Glück und Wohlbefinden. Die Grundidee lag darin, sich zu überlegen, wie man als Kommunikationsdesignerin seine Fähigkeiten nutzen und einsetzen kann, um in der Gesellschaft etwas Positives bewirken zu können. Gina stellt als Glücksministerin eine ganz neue und wichtige Anlaufstelle dar, mit dem größten Ziel, den Menschen das Miteinander wieder ans Herz zu legen. Darüberhinaus müsse man sich mehr Zeit für sich nehmen, um sich mit der Frage nach dem Glück auseinandersetzen zu können.

„Die Menschen sollen einfach nett mit sich und den anderen umgehen, das ist mein größtes Ziel“

Gina wirbt mit ihrem Beruf für Glück und ein werteorientiertes Handeln, sie zeigt neue Wege auf, wie man mit seinen Mitmenschen wieder in Kontakt treten kann und vor allem, wie es einem gelingt die kleinen Momente im Leben, die uns glücklich machen und das Leben bereichern, wert zu schätzen und sich aktiv Zeit dafür zu nehmen.

Mannheim als Standort, erwies sich dabei als unglaublich dankbar für die Zukunft des Ministeriums für Glück. Durch seine Kreativwirtschaft und seine gute Verkehrsanbindung bietet Mannheim unglaublich viele Entwicklungsmöglichkeiten. Das Mindshift.One, der Ort an dem wir Gina zum gemeinsamen Gespräch trafen, dient als eine der zentralen Anlaufstellen für Workshops und somit auch als ein Ort für Verbundenheit für Gina.
Ob Zuhause die Konfettischachteln gefüllt werden, oder Vorträge vor 500 Menschen gehalten werden, die Aufgaben der Glücksministerin unterliegen keinen Grenzen, ob es Workshops sind, Teambuildings oder Weiterbildungen für Lehrer im Bereich positiver Psychologie. Ihre Aufgabe besteht darin, ihren Mitmenschen das Glück wieder näher zu bringen und diese dann wiederum als Glücksbotschafter weiter auf ihrer Reise zu schicken.

„Seelische Gesundheit und preventives Handeln, macht auf allen gesellschaftlichen Ebenen Sinn. Denn wir Menschen streben alle nach Halt, nach etwas Höherem. Wir sind alle hungrig nach zwischenmenschlicher Begegnung und Verbundenheit. Wir müssen Menschen wieder auf echter Ebene begegnen und tolle Gespräche führen“

Den Weg zum Glück vergleicht Gina gerne mit einer Einbahnstraße. Wenn man erst einmal die Antworten auf Fragen wie – Was erfüllt mich? Was ist mir wichtig? Worin liegen meine Stärken und Schwächen? Was macht mich eigentlich glücklich? – gefunden hat, gibt es kein Zurück mehr. Mit der Beantwortung dieser Fragen, beginnt das Leben sich zu verändern. Veränderungen bringen Umbruchsphasen mit sich, die zu Beginn auch holprig sein können. Veränderung ist jedoch ein Prozess, der Wachstum mit sich bringt. Somit sollte man sich immer bewusst machen, dass Veränderungen Zeit benötigen und das Ergebnis nicht immer unmittelbar sichtbar ist. Darüber hinaus sollte man sich von dem Gedanken, dass es das perfekte Ergebnis gibt, verabschieden und stattdessen den Prozess der Veränderung betrachten und wertschätzen.

Wenn wir etwas ändern möchten, müssen wir stets das eigene Handeln reflektieren und stets offen und neugierig gegenüber Neuem sein. Wir müssen neuen Menschen, neuen Situationen, neuen Themen und neuen Fragen Raum geben, auf uns wirken zu können. Im Anschluss müssen wir uns mit dem neu Entdeckten auseinandersetzen und tiefgründig werden. Wir müssen aufschreiben, kommunizieren, uns austauschen und unser eigenes neues Glück erschaffen.

Gina erklärt uns, dass das Glück von verschiedenen Faktoren beeinflusst wird. Zu 50% hängt unser Glück von unseren Genen ab, diese bestimmen, wie wir die Welt wahrnehmen, beispielsweise ob wir ein Glas als halb leer oder als halb voll betrachten. 10% werden von äußeren Einflüssen bestimmt, wie beispielsweise unsere aktuelle finanzielle Situation oder unser gesundheitlicher Zustand. Die übrigen 40% unseres Glücks müssen wir selbst in die Hand nehmen.

„Zahlen sind jedoch nur Zahlen und erstmal nur Theorie“

Wichtig ist, uns klar zu machen, dass wir ständig dazu lernen. Durch den stetigen Austausch mit Menschen und unserer Umwelt, können wir neuen Situationen nicht aus dem Weg gehen. Gina definiert Glück für sich als ein Gefühl der Verbundenheit mit sich selbst und anderen. Nur durch den aktiven und achtsamen Umgang mit sich selbst und anderen, können wir Glück empfinden.

„Das echte Leben ist meine größte Inspirationsquelle“

Eine weitere große Inspirationsquelle für Gina sind ihre alltäglichen Begegnungen. Sie genießt es, die kleinen Glücksmomente wahrzunehmen, ohne dabei zu viel zu erwarten. Da wir Menschen immer dazu neigen, das Schlimmste zu erwarten und zu selten versuchen die kleinen Glücksmomente zu sehen, liegt die Kunst darin, den Moment einfach mal zu genießen, und sich Konfetti proaktiv ins Leben zu holen, wenn man das Bedürfnis danach hat ohne darauf zu hoffen und zu warten, dass das Glück von außen an die Tür klopft.

Nur weil man in der Theorie weiß, wie es geht, gibt es keine Garantie dafür, dauerhaft glücklich zu sein. 24/7 glücklich zu sein, ist menschlich gar nicht möglich, geschweige denn gesund. Jeder Mensch hat seine Momente, in denen man sich fragen sollte, wer bin ich, wo geht die Reise hin. Turbulente Zeiten gehören im Leben dazu, in denen man die Chance hat sich neu zu finden, neu zu definieren und zu festigen. Das ganze Leben ist eine einzige Veränderung. Die Kunst besteht darin, immer mal wieder auf Pause zu drücken, einen Moment inne halten zu können und das Vergangene zu reflektieren. Ein Check-Up durchführen, wie gehts mir, die Gefühlslage wahrnehmen, reflektieren, wie kann es weiter gehen? Wo sind vielleicht die Stellschrauben, die ich drehen kann?

Sich selbst kennen zu lernen ist ein Prozess, der niemals endet. Wir lernen stetig dazu und unser Leben verändert sich tagtäglich, Lebenssituationen schlagen andere Richtungen ein, die Gesundheit entscheidet einen anderen Weg zu gehen, zwischenmenschliche Beziehungen können zwischen Intimität oder Abneigung variieren. Das Leben ist keine gerade Linie, umso wichtiger ist es, dass wir unsere Bedürfnisse äußern, mit Menschen über unsere Gefühle sprechen und nicht alleine durch die Welt spazieren.

„Offen nach Hilfe fragen, offen sagen, dass es einem nicht gut geht – und das ist völlig in Ordnung. Die Welt ist kein Regenbogenland. Jedes Gefühl ist willkommen und wir müssen nicht so tun, als ob es nur eine Palette von drei Gefühlen gibt“

Ministerium für Glück und Wohlbefinden
Gina Schöler

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by Daniel Adler

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